Von der Rosine zum Cappuccino: Kleine Rituale für mehr Achtsamkeit

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Achtsam und mit allen Sinnen eine einzelne Rosine zu essen – diese Übung gehört zu den ersten Erfahrungen in einem 8-wöchigen Achtsamkeitstraining. Wie unspektakulär, denken manche. Warum ausgerechnet eine Rosine, fragen sich andere. Und doch steckt in dieser scheinbar simplen Übung erstaunlich viel.

Sie lädt dazu ein, Sinnesempfindungen, Gedanken und Emotionen auf eine lebendige und sehr praktische Weise zu erforschen. Ganz neugierig, möglichst unvoreingenommen. Und dabei tauchen sie fast automatisch auf: Bewertungen wie „Rosinen mag ich eigentlich nicht“ oder überraschtes Staunen à la „Wow, so intensiv kann eine einzelne Rosine schmecken?“
All das wird zunächst einfach wahrgenommen – ohne es verändern zu müssen.

Wenn Gedanken leiser werden

Viele Teilnehmende bemerken bereits hier, dass sich durch den bewussten Einsatz der Sinne etwas verändert: Der Fokus wird klarer, andere Gedanken treten in den Hintergrund. Das Gedankenkarussell („Gestern war noch…“, „Ich muss später unbedingt…“) verliert für einen Moment an Fahrt. Präsenz entsteht – ganz ohne Anstrengung.

Kleine Rituale im Alltag

Ab der ersten Woche wird diese Erfahrung in den Alltag übertragen. Nicht, indem man täglich eine Rosine zelebriert, sondern indem man sich ein eigenes, stimmiges Essensritual wählt. Das kann der erste Kaffee oder Tee am Morgen sein oder die ersten Minuten einer Mahlzeit.

Genuss braucht Aufmerksamkeit

Wenn wir uns Essen oder Trinken achtsam widmen, können selbst alltägliche Momente zu echten Genussquellen werden. Ohne nebenbei fernzusehen, durch Webseiten zu scrollen oder Gespräche zu führen. Nur so können wir wirklich riechen, schmecken und spüren, was wir zu uns nehmen – und ganz im Moment ankommen.

Springt unsere Aufmerksamkeit jedoch den ganzen Tag von einer Tätigkeit zur nächsten und selbst die Nahrungsaufnahme läuft „nebenbei“, fehlt dem Gehirn am Abend oft das Gefühl von Sättigung und Zufriedenheit. Was wir nicht bewusst erleben, wird nicht als Erinnerung gespeichert – und steht uns später auch nicht als Ressource zur Verfügung. Heißhunger und das Bedürfnis nach Belohnung sind dann häufige Begleiter.

Eine persönliche Beobachtung

Obwohl – oder vielleicht gerade weil – ich selbst seit vielen Jahren auf dem Weg der Achtsamkeit bin, stolpere ich im Alltag immer wieder über diese Erfahrung. Besonders deutlich wird sie beim ausgiebigen Sonntagsfrühstück: Frische Brötchen duften, die Wochenendzeitung lockt. Gleichzeitig genießen und aufmerksam lesen? Funktioniert bei mir nicht. Am Ende des Artikels ist das Brötchen mit meinem Lieblingskäse verschwunden – und irgendwie auch der Genuss.

Heute ist es oft so: Ich genieße mein Frühstück, mein Mann liest mir ab und zu etwas aus der Zeitung vor, und später gönne ich mir meine Lesezeit auf dem Sofa.

Kurze Pausen, große Wirkung

Natürlich ist im Alltag nicht immer so viel Zeit. Doch auch kurze, bewusste Genussmomente können viel bewirken. Für mich ist das meine tägliche Cappuccino-Pause. Schon die Zubereitung mit der Siebträgermaschine – die festen Abläufe, der Duft frisch gemahlener Bohnen, das Zischen des Milchschaums – bringt mich ins Hier und Jetzt.

Für diese Minuten suche ich mir bewusst einen ruhigen Platz, weg vom Schreibtisch, und widme mich ganz diesem einen Heißgetränk.

Stress und Essverhalten

Und ja, auch ich kenne stressige Phasen und greife dann gerne zu meiner Lieblingsschokolade. Stress beeinflusst bei den meisten Menschen das Essverhalten: Nur etwa 20 % zeigen kaum Veränderungen, rund 40 % verlieren den Appetit, die übrigen 40 % entwickeln ein gesteigertes Essverlangen – oft nach zucker- und fettreichen Speisen.

Unser Gehirn speichert diese kurzfristige Entlastung ab und ruft sie in stressigen Zeiten gerne wieder ab. Ein verständlicher Mechanismus – und doch einer, der uns langfristig nicht wirklich nährt und sogar schaden kann.

Immer wieder bewusst genießen

Diese Zusammenhänge, aber vor allem meine Erfahrungen, lassen mich immer wieder zum bewussten Essen zurückzukehren. Nicht nur mit all meinen Sinnen, sondern auch mit einer wertschätzenden Haltung gegenüber dem, was ich zu mir nehme. Und besonders schön wird es für mich in Gesellschaft, die ebenso präsent im Moment ist – dann vervielfacht sich der Genuss.

Lust auf mehr Achtsamkeit im Alltag?

Vielleicht haben Sie beim Lesen schon ein eigenes kleines Ritual im Kopf. Wenn Sie Achtsamkeit nicht nur verstehen, sondern erleben und nachhaltig in Ihren Alltag integrieren möchten, lade ich Sie herzlich ein, sich über meine Achtsamkeitsangebote zu informieren oder Kontakt mit mir aufzunehmen. Manchmal beginnt Veränderung mit einem einzigen bewussten Schluck. ☕

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